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Technik8 Minuten Lesezeit23. Mai 2026

Ost/West-Ausrichtung: Lohnt sich Solar bei schlechter Sonnenlage?

Dein Dach zeigt nach Osten oder Westen? Keine Panik – wir erklären, wie viel Ertrag du noch bekommst, wann sich die Anlage trotzdem lohnt und wie du Verschattung kompensierst.

Ost/West-Ausrichtung: Lohnt sich Solar bei schlechter Sonnenlage?

Ertragsverlust bei Ost/West: Die echten Zahlen

Die Faustregel ist bekannt: Süd ist optimal. Aber wie viel verlierst du wirklich bei anderen Ausrichtungen?

AusrichtungNeigungVollbenutzungsstundenVerlust vs. Süd
Süd30°1.000 h/a– (Referenz)
Süd-Ost30°940 h/a-6%
Ost30°830 h/a-17%
West30°820 h/a-18%
Nord30°550 h/a-45%
Ost + Westje 30°910 h/a kombiniert-9%

Das bedeutet: Eine 5 kWp-Ostanlage erzeugt in Deutschland etwa 4.150 kWh statt 5.000 kWh. Das ist weniger, aber immer noch wirtschaftlich.

Ost oder West: Was ist besser?

Ost und West liefern in etwa gleich viel Jahresertrag (Unterschied < 2%). Der Unterschied liegt im Tagesverlauf:

Ostausrichtung:
- Produktion stark am Morgen (6–12 Uhr)
- Gut für Frühaufsteher, Home-Office-Haushalte, Bäcker
- Frühere Verfügbarkeit für Morgenwäsche

Westausrichtung:
- Produktion stark am Nachmittag (12–19 Uhr)
- Besser für Haushalte, die nachmittags/abends mehr verbrauchen
- Passt gut zu Berufstätigen, die abends kochen und Geräte nutzen

Empfehlung: Wähle die Ausrichtung, die besser zu deinem Verbrauchsprofil passt. Bei gleichem Verbrauchsmuster: Westausrichtung geringfügig vorteilhafter, da Strom abends wertvoller ist (Photovoltaik-Ausbau dämpft Mittagspreise).

Verschattung: Der größte Ertragsfeind

Ausrichtung ist weniger wichtig als Verschattungsfreiheit. Ein Süddach mit 30% Verschattung ist schlechter als ein Ostdach mit 0% Verschattung.

Typische Verschattungsquellen:
- Nachbarhäuser und Schornsteine (je nach Sonnenstand)
- Bäume (besonders im Winter, wenn Sonne niedrig steht)
- Dachaufbauten wie Gauben, Kamine, Lüftungsanlagen
- Antennen und Satellitenschüsseln

Wie schlimm ist Verschattung?

Bei Modulen in Reihe (Standard-Strangverkabelung) kann ein einziger verschatteter Bereich die gesamte Modulreihe auf das Niveau des schwächsten Moduls ziehen. Das Spitzbodenphänomen: Selbst 5% Verschattung kann 25-40% Ertragseinbuße bedeuten.

Analysiere dein Dach mit PVGIS:
Das kostenlose EU-Tool PVGIS (re.jrc.ec.europa.eu/pvgis) erlaubt genaue Ertragssimulationen für jeden Standort und jede Ausrichtung.

Optimizer und Mikrowechselrichter als Lösung

Der technische Durchbruch der letzten Jahre: Leistungsoptimierer lösen das Verschattungsproblem.

DC-Optimierer (z.B. SolarEdge, Tigo):
- Werden hinter jeden Modul installiert
- Jedes Modul arbeitet unabhängig an seinem optimalen Arbeitspunkt (MPPT)
- Verlustminimierung bei Teilabschattung
- Kosten: ca. 30–60 € pro Modul extra

Mikrowechselrichter (z.B. Hoymiles, APsystems):
- Jedes Modul hat seinen eigenen kleinen Wechselrichter
- Komplette Modularität und unabhängige Überwachung
- Bei Balkonkraftwerken bereits Standard (HM-800, QT2)
- Kein zusätzlicher Zentralwechselrichter nötig

Faustregel: Bei mehr als 15% Verschattung lohnen sich Optimierer. Ihr Mehrpreis (200–400 € bei 5 kWp-Anlage) amortisiert sich durch den höheren Ertrag in 2–4 Jahren.

Lohnt es sich trotzdem?

Ein konkretes Rechenbeispiel für eine Ostanlage:

Anlage: 5 kWp Ost, 30° Neigung, München
- Jahresertrag: 4.150 kWh (83% von Süd)
- Eigenverbrauch 35%: 1.452 kWh × 0,38 €/kWh = 551 €/Jahr
- Einspeisung 65%: 2.698 kWh × 0,08 €/kWh = 216 €/Jahr
- Gesamtersparnis + Erlös: 767 €/Jahr

Bei 12.000 € Anschaffungskosten (5 kWp schlüsselfertig):
- Amortisation: 15,6 Jahre
- 20-Jahres-Rendite: ~3.340 € Reingewinn

Zum Vergleich – Südanlage gleiche Größe:
- 860 €/Jahr → Amortisation: 14 Jahre → 20-Jahres-Rendite: ~5.200 €

Der Unterschied ist da, aber nicht dramatisch. Bei günstigerer Anlage oder höherem Strompreis verkürzt sich die Amortisation entsprechend.

Ost/West-Kombination: Ein unterschätzter Vorteil

Wer ein Satteldach mit Ost-West-Ausrichtung hat, kann beide Seiten bestücken. Das ist oft besser als eine reine Süddachanlage – warum?

Vorteile der Ost/West-Kombination:
- Flachere Leistungskurve über den Tag (weniger Mittagsspitze, mehr Abend)
- Höherer Eigenverbrauchsanteil, weil Strom besser mit Verbrauchsprofil passt
- Mehr Fläche = mehr Gesamtleistung installierbar
- Oft ohne Mehrkosten, wenn ohnehin beide Seiten verfügbar

Der Eigenverbrauchsvorteil:
Bei einer reinen Südanlage gibt es eine massive Mittagsspitze, die meist ins Netz eingespeist wird (Eigenverbrauch 25-30%). Ost/West streckt die Produktion – Eigenverbrauch steigt auf 35-45%.

Bei einem Strompreis von 0,38 €/kWh und Einspeisevergütung von 0,08 €/kWh bedeutet 10% mehr Eigenverbrauch ca. 30 €/kWh mehr Wert.

Fazit: Ost/West-Dächer sind keine zweite Wahl. Mit dem richtigen Setup und optimiertem Eigenverbrauch liefern sie über 20 Jahre ein solides Ergebnis. Nutze unseren Dach-Solaranlage Rechner für eine standortgenaue Berechnung.

Zuletzt aktualisiert: 23.5.2026

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